Video-Fundstück der Woche

v29. Mai 1983: das letzte große 1.000-Kilometer-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, gleichzeitig Premiere und Abschied der Gruppe-C-Erfolgsmodelle Porsche 956 sowie Lancia LC2; Foto: Carsten Krome

29. Mai 1983: das letzte große 1.000-Kilometer-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, gleichzeitig Premiere und Abschied der Gruppe-C-Erfolgsmodelle Porsche 956 sowie Lancia LC2; Foto: Carsten Krome

29. Mai 1983: das letzte große 1.000-Kilometer-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, gleichzeitig Premiere und Abschied der Gruppe-C-Erfolgsmodelle Porsche 956 sowie Lancia LC2; Foto: Carsten Krome

29. Mai 1983: das letzte große 1.000-Kilometer-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, gleichzeitig Premiere und Abschied der Gruppe-C-Erfolgsmodelle Porsche 956 sowie Lancia LC2; Foto: Carsten Krome

29. Mai 1983: das letzte große 1.000-Kilometer-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, gleichzeitig Premiere und Abschied der Gruppe-C-Erfolgsmodelle Porsche 956 sowie Lancia LC2; Foto: Carsten Krome

29. Mai 1983: das letzte große 1.000-Kilometer-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife, gleichzeitig Premiere und Abschied der Gruppe-C-Erfolgsmodelle Porsche 956 sowie Lancia LC2; Foto: Carsten Krome

Video: Derek Bell auf der Nürburgring-Nordschleife 1983 – Ende einer Ära

Am 28. Januar 1983 unterschreibt Stefan Bellof einen Vertrag als Porsche-Werksfahrer. Zu diesem Zeitpunkt ist er 25 Jahre, zwei Monate und acht Tage alt. Sein Dienstwagen: ein 928 S. Mit dem ersten Salär kann er neben den Porsche-Einsätzen eine zweite Formel-2-Saison bei Willy Maurer durchziehen. Doch am Formel 2, der 1983 erstmals ein Karbon-Monocoque erhält, steckt der Teufel im Detail, während der Porsche 956 zu "seinem Auto" wird. Er beherrscht es dies- und jenseits aller Haftungsgrenzen, seine Mannschaftskollegen hat er jederzeit im Griff. Dass er sein erstes Rennen für Porsche auf Anhieb gewinnt, bringt die anfangs reservierten Schwaben auf seine Seite. Im Chassis 956.007 ist ihm der Engländer Derek Bell zugeteilt, der bei seinem Heimspiel in Silverstone von Anfang an in Bellofs Schatten steht. Bell hat aber auch aus einem anderen Grund mit sich zu kämpfen. Zwei Wochen zuvor, am 24. April 1983, entgeht er im kalifornischen Riverside denkbar knapp dem Tod, während seinen Teamkollegen Rolf Stommelen dieses Schicksal trifft. Bell erwartet in der Box den Fahrerwechsel, ist eigentlich dran, als sich an Stommelens Porsche 935 der Heckflügel löst. Manövrierunfähig geworden, rast er in eine Betonwand. Rolf Stommelen, der noch kurzfristig für Jochen Mass eingesprungen ist, stirbt an den Unfallfolgen. Das Warnsignal wird gehört, Konsequenzen gibt es keine. Am 28. und 29. Mai 1983 begibt sich die Sportwagenwelt in höchste Gefahr. Mit dem 956 geht es auf die Nürburgring-Nordschleife zum 1.000-Kilometer-Rennen. Nie zuvor ist der Super-Porsche auf dem Eifelkurs ein Rennen gefahren – und der Wahnsinn wiederholt sich zum Glück auch nicht.

Aufgrund der Streckenlänge von 20,835 Kilometern gilt es als gesichert, dass weiche Qualifikationsreifen keine komplette Runde überstehen werden. Stefan Bellof pfeift jedoch auf alle Unwägbarkeiten. Die Nordschleife kennt er von den Formel-2-Misserfolgen 1982 und 83. Beide Male geht etwas schief. Im dritten Anlauf schreibt er Geschichte. Es ist Samstag, der 28. Mai 1983, als er in 6.11,13 Minuten eine Rundenbestzeit für die Ewigkeit aufstellt. Seine Durchschnittsgeschwindigkeit liegt oberhalb 200-km/h-Schallmauer. Die unfassbare Darbietung findet am Renntag ihre Fortsetzung. Stefan Bellof ist nicht zu halten, bis er am Streckenabschnitt "Schwalbenschwanz" in Führung liegend den Bodenkontakt verliert. Es ist der erste "Flipover" der Neuzeit – eine Luftschraube, verursacht durch ein Luftpolster an der aerodynamisch gestalteten Unterseite des Wagens. Auch Werksfahrerkollege Jochen Mass berichtet, am Sprunghügel sei "die Lenkung leicht geworden." Obwohl Stefan Bellof das weiß, bleibt er auf dem Gas - Strategie, Übermut, Arroganz? Er entsteigt einem Trümmerhaufen. Das Chassis 956.007 wird später an Richard Lloyd verkauft, der es Sponsor Canon als Kamerawagen andient. Am Nachmittag erstattet er dem geschockten Streckenreporter Rainer Braun Bericht. Und nun erfährt die Rennwelt, aus welchem Holz er geschnitzt ist. Seelenruhig, tiefstimmig und ungewöhnlich langsam spricht er über den Unfall. Er habe plötzlich in den Himmel gesehen und natürlich gehofft, unverletzt zu bleiben. Als Braun fragt, ob er sich überschlagen habe, lautet die ehrliche Antwort, er wisse es nicht. In seinem Innersten ist er längst zur Tagesordnung übergegangen. Bis Le Mans bauen ihm die Porsche-Techniker einen neuen Einsatzwagen zusammen – das Chassis 956.008. Bellof treibt es auf der langen Geraden bis auf 371 km/h – so schnell wie kein anderer bei den 24 Stunden von Le Mans im Juni 1983.

Er und Jochen Mass fallen mit Motorschaden aus. Es folgt eine Galavorstellung auf dem Nürnberger Norisring – und nach zwei Einsätzen ein Totalschaden. Porsche-Ingenieur Roland Kussmaul zerlegt 956.008 auf dem Weissacher Versuchsgelände. 956.009 erlebt seine Feuertaufe am 2. Oktober 1983 in Fuji. Er wird zu Stefan Bellofs Erfolgsmodell, der ihn 1984 auf dem Weg zum Gewinn der Endurance-Fahrerweltmeisterschaft begleitet. Stets mit von der Partie: der inzwischen 42-jährige Derek Bell, Bellofs Partner – ein treuer Teamplayer im Porsche-Cockpit.

Aus: "Ein heller Stern", erschienen in PORSCHE SCENE 11/2010 anlässlich des 25. Todestages von Stefan Bellof

 

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Von: Carsten Krome | Fotos: Carsten Krome

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