Treue Begleiter

Mal ehrlich: so schön und abenteuerlich das Zelten mit der Pfadfindergruppe auch sein mag - irgendwann nerven Ameisen, Wetter, Auf- und Abbau nur noch. So ähnlich mag auch der unbekannte Brite gedacht haben, der sich, wie es heißt, 1951 eine "Wohneinrichtung" für seinen VW Transporter bauen ließ. Sechs Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges hatten die meisten Europäer noch andere Sorgen und Nöte, als über so etwas wie "Urlaub" nachzudenken. Autos wurden zum Transport gebraucht, um Baumaterialien gegen Lebensmittel zu tauschen und umgekehrt. So war es wohl eher der Forschergeist, der den ehemaligen Besatzungsoffizier antrieb. Auf jeden Fall hatte er einen ganz neuen Nutzen in dem erst ein Jahr zuvor vorgestellten T1 erkannt, dem praktischen Transporter aus dem Hause VW.

Es blieb nicht bei dem einen Unikat: mit steigender Lebensqualität wuchs auch die Anzahl der Bulli-Varianten. Aus dem reinen Nutzfahrzeug mit Kastenaufbau wurde der Bus, aus dem Bus der luxuriöse Samba. Ganz nebenbei entdeckten immer mehr Privatleute die Vorzüge eines solchen Autos - das gilt bis heute, wie man an der Vielzahl von Vans auf unseren Straßen sieht. Mit der "Camping-Box" von Westfalia ließ sich der biedere Laster zum praktischen Camper umfunktionieren. Die Sitzbank im Fond, ein Schrank, Sideboard, das Fach für den Benzinkocher und viele Polster machten ihn mit wenigen Handgriffen zur rollenden Mini-Wohnung. Und am Montagmorgen schleppte er wieder Milchkannen, Schweinehälften oder Zementsäcke.

Schon 1955 folgte die Camping-Box „Export“ - mit einer Klappe im und der Gepäckgalerie auf dem Dach. Der Name Westfalia ist untrennbar mit der Geschichte der Freizeitfahrzeuge verbunden, die VW schon bald direkt über sein Vertriebsnetz anbot. Ab 1957 gab es den offiziellen “VW-Campingwagen”, der blumig beworben wurde: „Autowandern mit eigenem Hotel! Das ist heute kein unerfüllbarer Wunschtraum mehr, kein Luxus, den sich nur wenige leisten können...“ Den Ausbau lieferte Westfalia, intern trugen die Modelle „SO“-Nummern, das Kürzel für „Sonderfahrzeuge“ in der Volkswagen-Nomenklatur. Zwei Jahre später feierte man bereits das erste Jubiläum: 1000 Campingwagen rollten auf den Strassen! Wieder zwei Jahre danach belief sich die Tagesproduktion auf immerhin schon zehn Camper am Tag.

Die Entwicklung blieb nicht stehen. 1962 gab es alternativ zum Holz erstmals pflegeleichte Kunststoff-Oberflächen für die Möbel. Eine Klappsitzbank im Heck mit Bettverlängerung über dem Motor war zu dieser Zeit bereits die Basis der Liegefläche. Die Einrichtung glich im Prinzip den heute noch üblichen Grundrissen. Es gab den Dachstaukasten über der Klappsitzbank, unterschiedliche Küchenanordnungen, die Kühlbox und einen Wassertank mit Handpumpe. Zur Dachklappe und dem seitlich öffnenden Aufstelldach gesellte sich 1965 das Hubdach - eine simple Möglichkeit, mehr Platz im Campingbus zu schaffen oder Luft und Licht hineinzulassen.

Von: T. Pfahl, VW

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