Gerhard Holup († 2. März 2012): Requiem für einen stillen Sportsmann

Sonntag, 20. August 1989, Omloop Terlamen Zolder in Belgien: Gerhard Holup (ganz rechts) mit Sohn Frank und den Teilnehmern eines Fahrerlehrgangs

Sonntag, 20. August 1989, Omloop Terlamen Zolder in Belgien: Gerhard Holup (ganz rechts) mit Sohn Frank und den Teilnehmern eines Fahrerlehrgangs

"Schau mal, mein Junge, das war mein Auto!" 1976 begegnet Gerhard Holup im Fahrerlager von Zolder seinem Vorjahreswagen, dem RSR

"Schau mal, mein Junge, das war mein Auto!" 1976 begegnet Gerhard Holup im Fahrerlager von Zolder seinem Vorjahreswagen, dem RSR

"Playboy, dieser Pott ist Dir!" 1975 beginnt im ONS-Rundstreckenpokal die langjährige Freundschaft zwischen Gerhard Holup (li.) und Edgar Dören

"Playboy, dieser Pott ist Dir!" 1975 beginnt im ONS-Rundstreckenpokal die langjährige Freundschaft zwischen Gerhard Holup (li.) und Edgar Dören

Aus eins mach zwei: 1989 bestellt der Düsseldorfer Michael Beilke (re.) einen eigenen RSR und formiert mit Gerhard Holup (li.) ein Zweiwagen-Team

Aus eins mach zwei: 1989 bestellt der Düsseldorfer Michael Beilke (re.) einen eigenen RSR und formiert mit Gerhard Holup (li.) ein Zweiwagen-Team

Prominenz im Umfeld des Teams: Jürgen Barth und Jacky Ickx, 1977 gemeinsam Sieger der 24 Stunden von Le Mans, mit "Anstifter" Michael Beilke (v. li.)

Prominenz im Umfeld des Teams: Jürgen Barth und Jacky Ickx, 1977 gemeinsam Sieger der 24 Stunden von Le Mans, mit "Anstifter" Michael Beilke (v. li.)

PORSCHE SCENE Racing Legends // Rennsport Legenden

 

Der Sieger des ADAC-24-Stunden-Rennens 1988 auf dem Nürburgring, verstarb im Alter von 83 Jahren

Als Gerhard Holup, geboren am 10. Dezember 1928, am 18. und 19. Juni 1988 das ADAC-24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring gewann, schrieb er Geschichte. Mit 59 Jahren trug er sich als ältester Sieger in die ewige Bestenliste ein – heute wäre das kaum noch denkbar. 1991 beendete der Ökonom aus Kaarst bei Düsseldorf eine Fahrerkarriere, die von Sportsgeist und Freundschaften geprägt war. Im Alter von 83 Jahren ist er am 2. März 2012 verstorben. Erinnerungen an den Archetypen eines Privatiers und den Porsche, dem er seinen wichtigsten Triumph verdankte.

Samstag, 23. Mai 1987, morgens gegen 10.30 Uhr am vorderen Ende der Boxengasse des Nürburgrings. Das offizielle Training für das Langstreckenpokalrennen des MSC Adenau e.V. ist soeben abgewinkt worden. In den Garagen bricht Hektik aus. Schlagschrauber rattern, und Luftlanzen einiger pneumatisch betriebener Wagenheber zischen, wann immer sie von ihren Kupplungen getrennt werden. Mechaniker laufen durcheinander, und manch einer flucht lauthals, weil er über das Handwerkszeug eines anderen gestolpert ist. Inmitten dieses heillosen Durcheinanders steht ein roter Porsche, der herrenlos wirkt. Niemand arbeitet an ihm. Aus dem Halbdunkel der Garage taucht einer der Charakterköpfe der Szene auf: Edgar Dören, das Porsche-Urgestein aus Wuppertal. Er ist als Fahrer vorgesehen – und reichlich geladen. Auf die Frage. ob der Wagen defekt sei und womöglich zur Mittagszeit nicht am Start stünde, poltert der kleine Mann los: "Du Backpflaume! Dass hier nichts weitergeht, kann doch nur einer übersehen, der keine Ahnung hat!" Jahre, viele Jahre später, wird der Beschimpfte zu einer simplen Einsicht gelangen: "So ist er eben, unser Edgar". Seit Donnerstag, dem 1. April 2004, muss es heißen: "So war er eben, unser Edgar". Seitdem ist er tot, und oben an der Nürburgring-Nordschleife, seiner Nordschleife, zur Legende verklärt. Impulsiv ist er gewesen, manchmal auch ungehalten, aber gerade deswegen ungemein liebenswert. Zu seinen Lebzeiten ist es selbst harten Prinzipienreitern nicht möglich, ihm allzu lange böse zu sein. Viele seiner Beziehungskisten prägt ein Auf und Ab. Eine der Ausnahmen: Edgar Dörens Verbindung zu Gerhard Holup, einem Ökonom aus dem Großraum Düsseldorf.

1975 freunden sich die ungleichen Charaktäre im ONS-Rundstreckenpokal an. Gerhard Holup hat von Kremer Racing einen blauen Carrera RSR übernommen, den noch die stilisierten Nähte einer Sponsoren-Beklebung zieren, die eine Bekleidungsmarke hinterlassen hat: Wallys Jeans. Zu Beginn unseres neuen Jahrtausends wird der Oberhachinger Porsche-Restaurateur Stefan Roitmayer vermelden, dieses Fahrzeug aufgefunden, identifiziert und wieder aufgebaut zu haben. Inzwischen weilt es, durch eine Handelsagentur namens Retro Sport vermittelt, bei einem neuen Eigner in den Vereinigten Staaten. Aber das ist eine andere Geschichte. Gerhard Holup zieht 1975 jedenfalls aus, um mit dem seinerzeit 330 PS starken Grand Tourisme ernsthaft Rennen zu fahren. Dreizehn Jahre später, 1988, nimmt er eine Festrede zum Anlass, Einblicke in diese Zeit zu gewähren (O-Ton Holup): "Ein geeignetes Automobil musste her. Es war ein Porsche Carrera, Farbe Blau und stets in hervorragendem optischem Zustand. Hierbei sammelte ich manche Erfahrung und machte neue Bekanntschaften. Die Erfahrung bestand in zerstörten Autos und überdrehten Motoren. Die Bekanntschaften wurden zu Rennfreunden. Einer ist mir dabei besonders aufgefallen und mehrmalig im Gedächtnis geblieben. Er war stets freundlich, fuhr unauffällig Auto, kam immer ins Ziel und war unheimlich schnell. Ich spreche von Edgar Dören. Viele Schlachten haben wir gegeneinander geschlagen, obwohl er stets das unterlegene Auto hatte." In der Tat haftet dem Tankstellenpächter der Nimbus an, seinen (Klassen-) Konkurrenten gegenüber um mindestens eine Porsche-Generation im Hintertreffen zu sein. Als Privatfahrer wie Gerhard Holup 1976 zu den Erstbestellern eines "turbo RSR Typ 934" gehören, kommt er gerade im Carrera RSR an. Dabei übernimmt er von Kremer Racing ausgerechnet das Schwesterfahrzeug des jeansblauen “Wallys“-Carrera, den ebenfalls 1975 aufgebauten Jägermeister-RSR. Doch mit 330 PS ist gegen 480 Pferdestärken nun einmal kein Staat zu machen...

Lesen Sie den vollständigen Beitrag in PORSCHE SCENE 06/2012 – ab 11. Mai 2012 im Zeitschriftenhandel!

Von: Carsten Krome; Fotos: Privatarchive Carsten Krome, Frank Holup, Michael Beilke

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