Le Mans, Legenden: 13.6.1971 – zweiter Sieg des Porsche 917 – Historie

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Porsche 917 053 Kurzheck (KH) Coupé, Siegerwagen 24 Stunden von Le Mans 1971

Triumph des Niederländers Gijs van Lennep und des Österreichers Dr. Helmut Marko bei den 24 Stunden an der Sarthe

Was ereignete sich vor 40 Jahren bei den 24 Stunden von Le Mans 1971? Wer waren die Akteure des zweiten Porsche-Triumphes an der Sarthe, dem 14 weitere folgten? Was waren die Besonderheiten des Siegerwagens? Wir forschten nach.

Sonntag, 13. Juni 2010, Le Mans: ein Mann feiert 70. Geburtstag und wird zugleich einen Rekord los, den er als Dirigent eines Rennstalls aufgestellt hat und der 39 Jahre lang besteht – bis zur Schlussrunde der 24 Stunden von Le Mans 2010. Die Rede ist von Hans-Dieter Dechent, dem aus Saarbrücken stammenden Anstifter der Ehe zwischen Martini und Porsche. 1971 triumphieren der Niederländer Gijs van Lennep und der Österreicher Dr. Helmut Marko unter Dechents Regie bei den 24 Stunden von Le Mans. 5.335 Kilometer (397 Runden) legen sie zurück, 222 km/h lassen sie als ihr Durchschnittstempo notieren – Werte für die Ewigkeit? 2010 beweisen die an Audi ausgeliehenen Porsche-Werksfahrer Timo Bernhard, Romain Dumas, dazu Mike Rockenfeller, mit dem R15 plus TDI das Gegenteil. Sie absolvieren ebenfalls 397 Umläufe, nehmen aufgrund der hinzugekommenen Schikanen aber den längeren Weg. Sie bringen es auf 5.410 Kilometer und übertrumpfen das 1971er Porsche 917 Coupé mit kurzem Heck und "Haifischflossen", die die Richtungsstabilität verbessern helfen. Wichtigstes Merkmal ist jedoch eine tragende Struktur aus Magnesium-Rohren. Das Porsche-Chassis 917 053 ist der jüngste Ableger einer Versuchsreihe von insgesamt vier Gitterrohrrahmen-Fahrgestellen. Diese sind naturgemäß leichter als die bisherigen Konstruktionen aus Aluminium, was den gezielten Einsatz von Ballast erlaubt. Ohne Fahrer und Benzin dürfen 800 Kilogramm zu keinem Zeitpunkt unterschritten werden. Die Porsche-Techniker erfüllen diese Vorgabe mittels eines 55 Liter fassenden Öltanks.

Hans-Dieter Dechents Martini Racing Team führt den Einsatz des Porsche 917 053 offiziell durch. An der Box sind Porsche-Entwicklungsvorstand Helmuth Bott und Klaus Bischof als verantwortlicher Rennmechaniker zugegen – nicht die einzigen Hochkaräter in Hans-Dieter Dechents Umgebung. Auch mit Ferdinand Piëch, dem Ziehvater des Porsche 917, stimmt das Zwischenmenschliche. 1970 hat er Dechent die Rennbestände von Porsche Salzburg angedient und indirekt drei Martini-Porsche 917 bei den 24 Stunden von Le Mans 1971 ermöglicht. Neben dem siegreichen 917-Kurzheck-Coupé mit der Startnummer 22 startet eine Langheck-Ausführung, die in den Studios der französischen Spezialfirma SERA ihren Feinschliff erhält. Das Porsche-Chassis 917 042 stammt noch aus dem Vorjahr. 1970 nimmt es unter der Bewerbung von Porsche Salzburg den ersten Startplatz ein, Vic Elford und Kurt Ahrens rollen jedoch vorzeitig aus. 1971 dringen Vic Elford und Gérard Larousse erneut in die erste Startreihe vor. Im Rennen fallen sie jedoch einem Defekt am Horizontalgebläse zum Opfer, für Vic Elford ist es der zweite Ausfall mit diesem Auto. Beim dritten Martini-Porsche tritt der Geldgeber visuell nicht in Erscheinung, es handelt sich um ein Themen- oder Kunstauto. Die "Sau", jener überbreite, weltberühmte Porsche 917/20, startet in Schweinchenrosa. Willi Kauhsen und Reinhold Joest kommen mit dem auch als "Dicke Berta" bekannten Porsche 917/20-001 nicht ins Ziel.

Dechents Flotte ist auf einen Porsche 917 dezimiert. Der gewinnt schließlich, damit ist die Welt auch für den blaublütigen Geldgeber aus Italien in Ordnung. Conte Gregorio Rossi di Montelera, der Präsident des 1970 gegründeten Martini Racing Teams, gratuliert den Siegfahrern Dr. Helmut Marko (heute Red-Bull-Manager in der Formel 1) und Gijs van Lennep als Erster. Die Mission ist zumindest für Hans-Dieter Dechent erfüllt. Er hat Martini Racing und Porsche zusammengebracht, Türen geöffnet, Wege aufgezeigt. Ende 1971 löst er seinen Rennstall auf, wohl auch unter gehörigem Kostendruck. Conte Rossis Generalsekretär Dino Aiassa fasst die Hausmeinung über den Saarländer diplomatisch zusammen: “Er hatte viel guten Willen, war aber ein wenig schlecht organisiert. Sein großer Verdienst besteht darin, uns mit Porsche in Kontakt gebracht zu haben."

Die neu geschaffene Verbindung hält bis 1980 und beschert zwei weitere Le-Mans-Erfolge, die 1976 und 1977 mit dem 936 turbo eingefahren werden. Beim ersten dieser Triumphe ist Gijs van Lennep noch einmal zur Stelle - 1976, an der Seite von Jacky Ickx mit dem 936.002, der heute im neuen Porsche Museum steht. Die offenen Rennsportwagen, Synonyme des Turbo-Zeitalters, sind ganz ähnlich gestaltet wie das 917-Kurzheck-Coupé aus dem Jahr 1971: in weißer Grundlackierung mit blauen und roten Streifen. Zwischen 1973 bis 1975 starten die Martini-Porsche vorübergehend in Silber. Damals kommt die Theorie auf, der Silberlack wäre einige Kilogramm schwerer als das von Ferry Porsche präferierte Weiß.

"Wissen Sie, ein Rennauto muss halt weiß sein", sagt er 1970 mit einem Blick auf eine andere Berühmtheit, die Hans-Dieter Dechent in die 24 Stunden von Le Mans 1970 schickt. Das Porsche-Langheck-Coupé 917 043 läuft im zeitgenössischen "Hippie"-Design, das Anatole Lapine entwirft. Blaulila und Arabesken in fluoreszierendem Grün machen Gérard Larousse und Willi Kauhsen zu bunten Hunden. Sie belegen den zweiten Platz hinter dem für Porsche Salzburg angetretenen "Kartoffelkäfer" unter Hans Herrmann und Richard Attwood. Der Ausgang des Rennens 1970 ist dem Wetter geschuldet, im Regen ist das Porsche-Kurzheck-Coupé (Chassis 917 023, heute in privatem Besitz) einfacher zu beherrschen als Dechents Langheck-Version. 1971 wird das "Hippie"-Auto auf einem neuen Chassis aufgebaut und in Gulf-Farben lackiert. Es tritt für John Wyers Equipe an. Jackie Oliver wird auf der langen Geraden mit 386 km/h gemessen - die bis dahin höchste Geschwindigkeit der Le-Mans-Geschichte. 3.13,6 Minuten sind Olivers schnellste Rundenzeit. 1971 wird weitgehend ohne Schikanen gefahren, wachsendes Sicherheitsdenken bereitet dem Freiflug nach 1989 ein Ende.

Unvergänglich ist hingegen die Kollektion verschiedener Porsche 917 im neuen Porsche Museum. Star dieses Themenarrangements ist zweifelsohne Hans-Dieter Dechents Martini-Porsche-Coupé 917 053, das anhand seines Magnesium-Rahmens eindeutig zu identifizieren ist. Aber auch das bildschöne Martini-Langheck 917 042, der 917/20-001 "Sau/Dicke Berta" oder John Wyers Gulf-917-Kurzheck gehören dazu. Beim vermeintlichen Siegerwagen von 1970, gesteuert von Hans Herrmann/Richard Attwood, handelt es sich nicht um 917 023, obwohl die rot-weiße Lackierung mit dem Original-Siegerwagen identisch ist. Laut Walter Näher, dem preisgekrönten 917-Historiker, ist die Replika des "Kartoffelkäfers" in Wirklichkeit die 917 001, das erste jemals gebaute Exemplar dieser Gattung - nicht weniger wertvoll und in Verbindung mit dem Ausstellungsbereich "Porsche 917" ungemein sehenswert.

Von: Carsten Krome | Fotos: Historisches Archiv Porsche AG

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