Porsche 934/935: neues Buch von Jürgen Barth und Bernd Dobronz

Porsche 934/935: neues Buch von Jürgen Barth und Bernd Dobronz

Porsche 934/935: neues Buch von Jürgen Barth und Bernd Dobronz

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

Porsche 934 turbo (1976), Chassis 930 670 0154 (Ex-Eugen Kiemele), Foto: Carsten Krome

PORSCHE SCENE Media Check // Buchbesprechung: Porsche 934/935

Eine 2.768 Gramm schwere und 559 Seiten starke Fleißarbeit

In unserem Zeitalter des ungebremsten Datenverkehrs lebt der Mythos Porsche von der Unauflöslichkeit vielerlei Rätsel – man mag es sich gar nicht mehr vorstellen, dass es früher einmal industrieller Standard gewesen ist, alles Wissen über ein Fahrzeug auf einer "Wagenverwendungskarte" zu dokumentieren. In dieser Hinsicht spielten die Rennversionen 934 und 935 ganz weit oben mit. Wo sind sie geblieben, diese ab 1976 an einen überschaubaren Kundenkreis veräußerten Ableger des 930 turbo 3,0? Als sie 1982 infolge eines Reglements- und Paradigmenwechsels von den europäischen Rennstrecken verschwanden, stellte sich anfangs nur eine Handvoll Enthusiasten diese bange Frage. Auf Seiten der Besitzer der zu sechsstelligen D-Mark-Beträgen im Werk eingekauften Fahrzeuge brach sich Pragmatismus seine Bahn. Wer im Geschäft bleiben wollte, musste schleunigst veräußern, liquidieren, zur Not auch in entlegene Länder. Und so landeten Porsche-Legenden, die eben noch von den Großen ihrer Zeit pilotiert worden waren, in Motorsport-Nationen wie El Salvador. Dass die Rekonstruktion all dieser Export-Geschäfte - zum Teil vom Porsche-Kundensport im Sinne einer weiterhin zahlungsfähigen Kundschaft aktiv unterstützt - kaum nachvollziehbar sein würde, hatte vor dem Online-Zeitalter durchaus ernste Konsequenzen. Da waren die Konrad Kujaus der Branche unterwegs. Sie dekorierten so manches Replikat mit aberwitzigen Historien und lückenhaften Papieren - und hatten eine Weile Erfolg damit. Mit wachsendem Vernetzungsgrad und damit verbundener Transparenz über alle Landesgrenzen hinweg schwanden auch ihre Marktaussichten. Als ein Kind der neuen, virtuellen Welt nahm Bernd Dobronz die Herausforderung an, Internet, E-Mail und letztlich auch soziale Netzwerke in seine Recherchen mit einzubeziehen. Er tat sich mit Jürgen Barth zusammen, dessen Aktenordner im gesicherten Bereich des zentralen Porsche-Werksarchivs deckenhoch von einem exponierten Stellenwert künden. Der Sieger der 24 Stunden von Le Mans 1977 saß nicht nur als Kundensport-Koordinator, sondern auch als Sportfunktionär an einer Schnittstelle.

Informationen aus seiner Hand gelten - zum Leidwesen derer, die es anders dargestellt wissen wollen - oft als letztinstanzlich. Aus der ungewöhnlichen Kooperation zweier Chronisten-Generationen, die über vier Jahre andauerte, ging ein gewichtiges Werk hervor: das Buch "Porsche 934/935", soeben im Motorbuch Verlag, Stuttgart, erschienen. Die 2.768 Gramm schwere und 559 Seiten starke Fleißarbeit unternimmt den Versuch, wirklich alle Lebensläufe der ursprünglich im Werk gebauten Originale oder zumindest der Werks-Rohbaukarossen nachzuvollziehen. Über den Arbeitsumfang können allenfalls jene urteilen, die selbst eine entsprechende Forschung betreiben und mit den Hürden vertraut sind, die sich hinter jeder einzelnen Chassisnummer auftun können. Was passierte zum Beispiel, wenn ein vergessener El-Salvador-Export den Weg zurück antrat? Waren es tatsächlich US-Zollbehörden, die Typenschilder einkassierten, oder gehört auch dieser Rechtfertigungsversuch zu den Kuriositäten, den Mythen, den Legenden? All das spricht dieses Buch an, und es entsteht leicht der Eindruck, dass angesichts des akribisch zusammengetragenen Materials der doppelte Seitenumfang nicht ausgereicht hätte, um alles unterzubringen. Auch mit der PORSCHE-SCENE-Redaktion stand das Autorenteam über einen längeren und für beide Seiten bereichernden Zeitraum in einem engen Kontakt.

Nun haben sich eingefleischte Fans der alten "Kreissägen" im Laufe der Jahre mit mannigfaltiger Literatur eindecken können. Einzigartig an "Porsche 934/935" von Jürgen Barth und Bernd Dobronz ist neben der Identifikation und Lokalisierung ganzer Jahrgänge - 1979 stellte die Porsche-Kundensportabteilung die Produktion komplett einsatzfertiger Fahrzeuge ein - die Veröffentlichung weitgehend unbekannter Kapitel. Das eindrucksvollste Beispiel liefert die ebenfalls 1979 erstellte Studie eines "Moby-Dick"-Nachfolgers mit "Ground Effect". Damals waren umgekehrte Flügelprofile in den Monoposto-Formeln 1 und 2 groß in Mode. Es stellte sich heraus, dass das klassische Spoilerwerk durch eine Sogbildung an der Wagenunterseite minimiert werden konnte. Um den Bodeneffekt durch seitliches Abdichten zu verstärken, kamen zwischen den beiden Achsen Schürzen zum Einsatz. Diese konnten nach oben und unten bewegt werden. Norbert Singer übertrug dieses System auf den bereits existierenden Gitterrohrrahmen-935/78. Dieses Projekt erhielt jedoch keine Freigabe durch den Vorstand, das (im Ansatz gescheiterte) Indycar-Vorhaben in den Vereinigten Staaten genoss oberste Priorität. Vor drei Jahren ging Norbert Singer in den USA mit seinen Plänen eines Porsche "935/79 Ground Effekt" auf Vortragsreise. Ungesehen waren auch geheime Bilddokumente aus dem Windkanal. Sie zeigen einen Versuchsträger, der dem späteren 935/77 zugrundelag. Dabei soll es sich um das als verschrottet abgeschriebene Chassis Nummer 930 670 0001 R14 gehandelt haben. Warum aber taucht ein Schwarz-Weiß-Foto dieses Wagens - mit Fünfarm-Zentralverschlussrädern, die nie in Verwendung waren - in einem ONS-Wagenpass auf, der der Redaktion kürzlich zwecks Einschätzung vorlag? Was ist da im Halbdunkel der Jahre 1976 und 77 noch passiert? Dies gehört zu den Rätseln, die naturgemäß erst nach dem Erscheinen eines neuen Standardwerks ins Licht gerückt werden können. Insofern dürfte niemanden eine - dann im Umfang erweiterte - Zweitauflage überraschen. Für Jürgen Barths "Großes Buch der Porsche-Typen" galt das schließlich auch, denn: Ein lebendiges Medium kann niemals fertig sein, schon gar nicht nach Drucklegung. Erste Stimmen künden von einem 934er, der dem Schah von Persien gehört haben soll. Fazit: Es bleibt spannend - so spannend wie dieses einzigartige Buch!

Von: Carsten Krome | Fotos: Carsten Krome

Kommentare aus der Community

Sie sind nicht angemeldet. Nur angemeldete User können Kommentare schreiben und beantworten.

Zur kostenlosen Registrierung geht´s im Bereich Community.

Bereits registriert? Dann melden Sie sich über das Formular in der linken Spalte an und schreiben Sie hier Ihren Kommentar!

motorfacts.deAUDI SCENEPORSCHE SCENEflash OPEL SCENEVW SCENEEASYRIDERSHARDWOK