Ein Ovali aus Schweden

Ein Ovali aus Schweden

Skandinavien-Ride – 1957er Käfer Typ 11 Luxus

Michael-Jörg Mandl aus Klagenfurt in Österreich hat sich einen ganz besonderen Luxus gegönnt. In Schweden fand der gelernte Tischler den dritten Käfer für seine Sammlung. Der unglaublich heruntergekommene Zustand des im April 1957 gebauten Typ 11 Luxus ermöglichte es, den Kaufpreis bis auf 6.500 Euro zu mindern. „Dennoch war dies ein gewagter Kauf“, erinnert sich Michael, der die alte Karosse mit ovalem Heckfenster im Sommer 2015 erwarb. Gerade einmal sechs Monate später und etliche Euro leichter war das Tuning-Projekt mit dem legendären Käfer schon vollendet. Pünktlich zum Wörthersee-Treffen konnte der Klassiker auf dem berühmten GTI-Event vorgestellt werden.

Michael gehört zu den Puristen in der VW-Szene. Neben den zahlreichen bunt folierten Golfs sorgt der alte schwarze Käfer, der beim Herablassen ein dumpfes Geräusch beim Aufprall auf den Asphalt von sich gibt, für eine willkommene Abwechslung. Luftgekühlte Volkswagen haben in der Szene eine lange Tradition. Da schon mit den ersten verkauften Käfern auch gleich die ersten Umbauten und Tieferlegungen erfolgten, entwickelte sich bereits frühzeitig ein veritabler Kult rund um die Käfer und Busse. Vor rund 20 Jahren waren die Lager noch gespalten und Veranstaltungen wurden noch sowohl für wasser- als auch für luftgekühlte Fahrzeuge separat abgehalten. Doch mit der Zeit schwanden diese Grenzen und die VW-Szene sah sich endlich als großes Ganzes an.

Heute sind luftgekühlte Volkswagen schon alleine aufgrund ihres Alters gern gesehene Highlights. So war es auch am Wörthersee. Michaels 1957er Oldschool-Käfer zog die VW-Fans magisch an. Kein Wunder, denn die alte Karosse scheint zu schade, um gewaltsam auf dem Asphalt abgestellt zu werden. Doch Michael hat sich so seine Gedanken gemacht und neben zahlreichen Restaurationsarbeiten den Unterboden den neuen Herausforderungen durch das Luftfahrwerk angepasst. "Die Bodengruppe wurde extrem bearbeitet, gekürzt oder höher gesetzt. Für die Tieferlegung sorgen auf der Vorderachse Pneumatikzylinder sowie Faltenbälge auf der Hinterachse in Kombination mit den serienmäßigen Bilstein-Dämpfern", beschreibt Michael den Aufwand, den er betreiben musste, um den Boliden derart tieferlegen zu können. Die komplette Konstruktion entwickelte der Österreicher selbst und wollte leider nicht allzuviele Informationen preisgeben.

Im Innenraum setzt sich der klassische Style fort. Mehr oder weniger wirkt der ganze Wagen nahezu unberührt und im Originalzustand. Es ist schön, die robuste und zuverlässige Technik aus dem Nachkriegskäfer noch heute arbeiten zu sehen. Das große Lenkrad und die gefederten Sitze machen die Fahrt mit dem hier verbauten 40-PS-Motor immer wieder zu einem Erlebnis. Zur besseren Leistungsentfaltung verbaute der Österreicher ein breiteres Getriebe aus dem 1972er Modell. Das Vergnügen, mit einem alten Vergaser-Motor in Klagenfurt, wo die umliegende, traumhafte Landschaft zu gemütlichen Ausfahrten einlädt, zu cruisen, ist fantastisch.

Michael hat dafür auch jede Menge Auswahl. Ob dieser 1957er Käfer zum Einsatz kommt oder der bereits in der VW-Scene vorgestellte Breitbau oder Michaels dritter Käfer wieder einmal bewegt wird, dass entscheidet sich in letzter Sekunde. Der Ovali, so wird der Nachfolger des Brezelkäfers genannt, besticht durch sein uriges Design, das man heutzutage kaum noch auf der Straße antrifft. Die Oldtimer sind mittlerweile so in die Jahre gekommen, dass viele ihren alten Käfer kaum noch aus der Garage holen. Nicht so Michael: Der leidenschaftliche Käfer-Fan kann einfach nicht genug bekommen und nutzt jede Gelegenheit für seine Hobbys Schrauben und Käfer fahren. Der fertig umgebaute Ovali sieht aus wie der „Bad Boy“ unter den Käfern. Die dunklen Räder verschwinden trotz Chrom-Radkappen in den Radkästen des schwarzen Käfers. Details, wie die alten Rückleuchten oder die beiden Außenspiegel auf den beiden vorderen Kotflügeln, geben dem Tuning-Projekt einen ganz eigenen und besonderen Touch.



Scene-Facts*:

Typ: Käfer Typ 11 Luxus
Baujahr: 1957
Motor: Vierzylinder-Boxer-Motor, 1.285 ccm
Auspuff: Serie
Leistung: 40 PS
Getriebe: Breiteres Getriebe vom Modell 1972, vollsynchronisiertes 4-Gang-Schaltgetriebe, Heckantrieb
Fahrwerk: Kurbellenker oben und unten, 2 Federstäbe quer vorne, Pendelachse, Längslenker, Federstäbe quer hinten, Eigenbau-Luftfahrwerk, Pneumatik-Zylinder vorne, Faltenbälge hinten, original Bilstein-Stoßdämpfer
Bremsanlage: Serie, mechanische Seilzugbremsen
Felgen: Serie, Stahlfelgen  4 J x 15 Zoll
Reifen: 165/60-R15
Karosserie: Typ 11 Karosserie, Farbe L41 Schwarz, Bodengruppe extrem bearbeitet, gekürzt bzw. höher gesetzt, Blinker in den Stoßstangenhörnern
Interieur: Original-Ausstattung von 1957
Sonstiges: Fahrzeug stammt ursprünglich aus Schweden

*(Halter – bzw. Herstellerangaben)

Scene-VIP:

Name: Michael-Jörg Mandl
Beruf: Tischler/Zimmerer
Lieblingsmusik? Charts
Hobbys? Auto schrauben und auf Treffen fahren
Besonderer Dank geht an: alle, die mir geholfen haben, Harald Todem, Christian Todem, Franz Wradnigo, Stefan Leitner, Christoph Wenz
Frühere Projekte? 2000er Passat, Käfer Breitbau aus der VW Szene
Wie sähe Dein Traumauto aus? Steht vor mir, ich sehe es jeden Tag.
Lieblingsgetränk? Cola
Was ist das Beste an Deinem Auto? Die Tiefe und der originale Lack
Wie kommt Dein Auto in der Szene/auf Treffen an? Richtig gut
Magst du Retrostyle? Ja
Auch bei Neuwagen? Nein
Was ist das Teuerste an Deinem Auto? Das Auto
Würdest Du eine solche Restauration/Komplettaufbau noch einmal machen? Ist schon meine vierte
Würdest Du aus finanziellen Gründen auch eine andere Marke fahren? Nie
Welchen Sprit tankst Du, Marke oder billig? Marke
Welcher Reifen ist für dich der beste? Falken

Von: Text & Fotos: Dominique Fourcade

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